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  • AutorenbildMartin Gerten

Was Industrieunternehmen von McDonalds lernen können


Bricht man die Wettbewerbsvorteile der USA, Chinas und Deutschlands auf das Mindeste runter kann man zu dem Schluss kommen, dass Amerika besonders durch seine hohe Investitionsfreude und die große Menge an Kapital zahlreiche Innovationen hervorgebracht hat und China durch eine große Bevölkerungsgruppe im arbeitsfähigen Alter einen rasanten Aufstieg hingelegt hat. Deutschland hat eine eher schrumpfende Bevölkerung und ist nicht gerade für mutige Investitionen bekannt. Was uns aber über Jahrzehnte in eine wirtschaftlich privilegierte Position gebracht hat, war die hervorragende Ausbildung der Arbeiter. Unsere Hochschulen und Universitäten müssen sich nicht verstecken, können sicher aber nicht mit den internationalen Eliteuniversitäten mithalten. Unbestrittene Exzellenz bietet aber unsere klassische Ausbildung. Sehr gut ausgebildete Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Konstruktionsmechaniker liefern sehr gute Ergebnisse in der Verarbeitung von Maschinen und Anlagen. Das macht einen Großteil des Erfolges von „Made in Germany“ aus.

Doch in Zeiten des Fachkräftemangels und des Wissensverlusts durch den demografischen Wandel könnte es eng werden Menschen zu finden, die das “Made” noch umsetzen können. Um diesem Zustand zu entfliehen müssen Unternehmen selbst aktiv werden und sich mehr denn je mit dem Thema Mitarbeiterqualifizierung beschäftigen. Dabei können unerwartete Unternehmen als Beispiel dienen. Fast-Food-Ketten wie McDonalds schaffen das, was sich die deutsche Industrie wünscht - sich frei zu machen vom Fachkräftemangel. Ob das Unternehmen tolle Burger macht, darf gerne umstritten sein, was aber feststeht ist, dass man sich von der Problematik rund um die Rekrutierung von Fachkräften löst. Dazu nutzt man einen einfach Trick: Man benötigt keine.

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Nein ganz so einfach ist die Lösung natürlich nicht, aber schauen wir uns den Fall McDonalds genauer an: McDonald's hat es geschafft, seine Prozesse so zu gestalten, dass nahezu jeder Mitarbeiter nach kurzer Einarbeitungszeit produktiv arbeiten kann. Dies wird durch eine gezielte Optimierung der Wissensvermittlung und der Arbeitsabläufe erreicht. Aufgaben werden in leicht verständliche und reproduzierbare Schritte unterteilt, sodass auch ungelernte oder wenig erfahrene Mitarbeiter schnell und effizient eingearbeitet werden können.

„Ja aber unsere Produkte sind viel komplexer als so ein doofer Burger“ mögen Sie jetzt vielleicht sagen und da haben Sie vermutlich auch absolut recht. Allerdings ist es eine interessante Idee, sich einmal von der Glorifizierung der Komplexität der eigenen Produkte zu lösen. Nach außen darf diese gerne bestehen, aber intern kann man sich das in Zeiten der Fachkräftemangels schlichtweg nicht mehr leisten.

Was kann man nun also daraus lernen? Statt auf ein Wunder zu hoffen, kann man die Sache selbst in die Hand nehmen und jetzt handeln, um die Probleme von morgen gar nicht aufkommen zu lassen. Dazu muss man die eigenen Onboarding- und Qualifizierungsprozesse ehrlich und kritisch überdenken, was durchaus wehtun kann. Das Ergebnis: In der Industrie sind wir häufig stolz auf komplexe Prozesse und Nischenwissen. Diese Hürde gilt es anzugehen, um Arbeitskräfte zu gewinnen. So wie McDonalds seinen Arbeitern jeden Schritt ganz genau vorgibt, ist diese Art der Wissensvermittlung auch in der Industrie möglich. Aufgrund der Komplexität ist es etwas aufwändiger und es empfiehlt sich auf 3D-Modelle zurückzugreifen, da die Dokumentation schnell missverständlich und das selbstständige Erlernen herausfordernd wird.

 


Dazu kann man zum Beispiel Virtual Reality Trainings nutzen, die Azubis, neuen Mitarbeitern und Menschen mit Migrationshintergrund das Wissen über die Arbeitsabläufe vermitteln. Einmal erstellt sind diese Trainings beliebig abrufbar und einsetzbar. Nach dieser theoretischen Wissensvermittlung folgt die Unterstützung bei der realen Durchführung auf dem Shopfloor. Mit einer Schritt-für-Schritt- Anleitung wird der Arbeiter durch die Tätigkeit geführt, Fehler minimiert und die Anlerngeschwindigkeit maximiert. Das fertige Produkt wird dadurch nicht weniger komplex oder weniger gut, die Erstellung dessen wird aber aus Mitarbeiter Sicht deutlich vereinfacht und somit für eine breitere Zielgruppe bei gleicher Qualität durchführbar. Das erhöht die Möglichkeiten bei der Rekrutierung und schafft Fachkräfte nach den eigenen Vorstellungen.

Der Blick über den Tellerrand zeigt auf, wie die Bekämpfung des Fachkräftemangels durch eine Umgestaltung im eigenen Prozess gelingen kann. Wenn mehr Menschen in der Lage sind, Aufgaben zu erledigen, kommen mehr Arbeiter für einen Job in Frage und der Fachkräftemangel zieht aus eigener Kraft an einem Unternehmen vorbei.




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